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REVIEW — Wirtz – Auf die Plätze, fertig, los

“Auf die Plätze, fertig, los. Ich bin wieder da, es geht wieder los. Lehn dich zurück und schnall dich an! Weil’s stürmisch werden kann.“

 

 

Daniel Wirtz. Der fast 40er, ist dem Einen oder Anderen eventuell als Stimme der 90er-Jahre Pop-Rock-Band Sub7even bekannt. Mit ihrem wohl größtem Hit ‘Weatherman‘, haben die vier Jungs damals die deutschen Charts gestürmt. Auch wenn Daniel Wirtz aus heutiger Sicht mit einem, nennen wir es mal gewöhnungsbedürftigen, Kleidungs- und Frisurenstil auftrat, hat er trotz alledem schon damals mit seiner atemberaubenden Stimme polarisiert.

Doch nicht für jeden ist der Mainstream die Erfüllung. Es kam wie es kommen musste. Die Band, die Musik, der Wille so weiter zu machen verflog von Album zu Album. Bandmitglieder kamen und gingen. Weitere Erfolge blieben größtenteils aus.

Nach einer gewissen Selbstfindungsphase, nahm Daniel 2007 neuen Anlauf und startete sein Soloprojekt Wirtz. Diesmal nicht wieder von hier auf jetzt, mit Hilfe großer Plattenkonzerne. Nein, diesmal hieß es “Selfmade“ und in deutscher Sprache. Authentischer Rock, auch gern mal etwas ruhiger. Auf Myspace erschienen erste Songs. Ihre Namen waren ‘Ne Weile Her‘, ‘Heute weiß ich‘ und ‘Sag es‘. Es hagelte Klicks und positive Resonanzen.

Ich persönlich kenne Daniel musikalisch, bereits aus der Sub7even-Zeit. Vom Hocker gerissen hat er mich aber auch erst, seit benannten drei Songs. Seitdem verfolge ich sein Tun auf Schritt und Tritt.

Der Erfolg im Netz, hat seinen Traum bestärkt und so blieb ihm keine andere Wahl als ein komplettes Album zu schreiben. 2008 erschien ’11 Zeugen‘ und man spürte, Wirtz wird mal ein ganz großes Ding. Sein zweites Knalleralbum ‘Erdling‘ erschien nur ein Jahr später. Erste nennenswerte Erfolge dann 2011, mit ‘Akustik Voodoo‘. Womit er sich zwei Wochen lang auf Platz 5 der deutschen Albumcharts hielt. 2014 folgte ein ‘Unplugged‘ – Best Off, inklusive einer großartigen Unplugged – Tour. Wovon ich mich selbst überzeugen konnte.

 

Wirtz ist bis dahin der perfekte Beweis, dass es keinerlei Werbung oder großer Promotion benötigt. Schlicht gute Musik und die daraus folgende Mundpropaganda reichen aus, um in einer authentischen Art und Weise und fernab von Casting-Shows, Erfolge einzufahren.

 

Ab dem 19.06.2015 steht nun bald sein langersehntes, neues Album ‘Auf die Plätze, fertig, los‘ in den Regalen. Ich bin froh, dass ich als jahrelanger Fan, diesmal vorher rein hören durfte, um dieses Review zu schreiben. Doch gehen wir langsam mal etwas ins Detail.

 

 

“Liebe Leute, hoch die Tassen! Auf unser Wiedersehen. Einen auf euch und an alle die, die unsere Welt verstehen.“

 

 

Mit dem Song ‘Auf die Plätze, fertig, los‘, eröffnet Daniel dieses Album gewohnt mit einem Knaller der Extraklasse. Mit brettharten Riffs, kündigt er nach vierjähriger Schreibpause, sein neues Baby an und Fakt ist, dieser Song muss der Opener auf seiner kommenden Tour werden.

 

 

“So bleib ich wohl mein ärgster Feind, als auch meines Glückes Schmied. Dreh meine Welt in meiner Hand, solange Blut durch meine Adern fließt.“

 

 

“Der Ton ist eine Energieform aus Schwingungen oder Wellenlängen. Bestimmte Wellenlängen haben die Kraft zu heilen, andere können Glas zerspringen lassen. Mantras sind Sanskritsilben, -wörter oder -sätze, die durch Wiederholung in der Meditation das Individuum in einen höheren Bewusstseinszustand versetzen. Mantras sind Töne oder Energien, die es schon immer im Universum gegeben hat, die weder erschaffen noch zerstört werden können.“ – wiki.yoga-vidya.de

So und/oder in jeder anderen Form, sollten wir, was auch immer uns ankotzt und aus der Bahn wirft, nie den Mut verlieren, neue Energie schöpfen und irgendwie weiter machen. Denn: “Das ist wie ein Mantra gegen den Lauf der Zeit. Ein Pakt mit der Sonne gegen Dunkelheit. Das ist meine Flagge, die ich einst gehisst. Weil es wenn´s noch nicht gut ist, auch noch nicht zu Ende ist.“

Es gab schon lang keinen Song mehr, der mir Gänsehaut verschafft hat. Mit ‘Mantra‘ ist es wieder geschehen. Ein Song für eine Autofahrt, durch die Nacht.

Auch in ‘Regentropfen‘ geht es darum, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wer will schon ein Tropfen sein, der auf einem heißen Stein verzischt? Wir sollten alle danach streben der Tropfen zu sein, der das Fass zum überlaufen bringt. Kack mal auf die Affen, die dich lenken und beeinflussen wollen! Mach dein Ding! “Wir leben jetzt und ohne Autopilot.“

 

 

“…verachtest den Wind, der dich trägt. Vergiftest das Land, auf dem du stehst. Schlägst Türen zu, reißt Brücken ein. Viel Spaß dabei! Viel Spaß allein!“

 

 

Auch wenn es heißt mal aufs Ganze gehen zu müssen, sollte man nicht vergessen auf sich acht zu geben. Wer ausnahmslos auf der Überholspur lebt, dem kann schnell das Leben aus den Händen gleiten. Darum geht es in ‘Du fährst im Dunkeln‘. Daniel schreibt hier aus der Sicht eines besten Freundes, über das exzessive Leben seines Gegenübers und wie sie sich aufgrund dessen, immer mehr voneinander entfernen. Was einmal “Best Buddies“ und nicht zu trennen war, ist durch Koks und Co. nicht mehr fassbar.

 

 

“Denn das ist, so wie du bist. Für dich ist alles und jeder austauschbar. Es war hart, doch hab´s kapiert und mittlerweile komm ich damit klar. Außer wenn ich aus Versehen an die denke, dann kommt´s mir direkt wieder hoch. Wenn ich aus Versehen an dich denke, seh ich nicht klar, dann seh ich Rot…“

 

 

Menschen. Wissta? Menschen können manchmal einfach nur schlecht sein. Vor allem Menschen, für die man Gefühle entwickelt. Der Glaube diese Gefühle erwidert zu bekommen, endet wie die obligatorische heiße Kartoffel. Das erzeugt erst Enttäuschung, die Frage nach dem “Was lief falsch?“, Trauer, Erkenntnis und endet in Wut. Die Wut auf das, in dem Song ‘Aus Versehen‘ besungene Herzlose, in einigen Menschen. Der aggressive Sound und die dazu passenden Textzeilen, lassen in einem das Blut kochen.

 

 

“Wir zählen Lichter, schauen in Gesichter. Wir werfen Blicke, aus leeren Augen weit, in glitzernde Dunkelheit. Wir taumeln durch die Stadt, rastlos wie jede Nacht. Jagen die Illusion, dass irgendwas, irgendwann etwas verändern kann.“

 

 

Wir‘ geht an alle Nachteulen da draußen, die das Licht manchmal genauso scheuen, wie Herr Wirtz und seine Gefolgschaft wohl auch. Man kann den Song zweierlei deuten. Zum Einen passt es zu allen partyhungrigen Wölfen (so ziemlich alles zwischen 16 und 26 Jahren ;)), die tagsüber ihren Schlaf nachholen um nachts aus ihren Höhlen zu kriechen und die Straßen unsicher zu machen. Zum Anderen passt der Song zur Band Wirtz.  Da das Tourleben, oft nicht anders aussieht. Die Lyrics könnten die Gedanken eines jeden an einem Freitag Abend sein oder halt eines jeden Musikers. Untermalt wird der Song durch einen Sound, der live einschlagen wird wie eine Bombe. Der Refrain wird sämtliche Arme nach oben wandern lassen.

Generell, ist das Album bis hierhin fast ausschließlich aufs laut-sein fokussiert. Schön einen Daniel Wirtz wieder so rockig zu erleben. Aaaaaber. Daniel kann auch ruhig und das mindestens genauso gut.

 

 

“Fliege hoch, fliege schnell, fliege weit! Lebe jetzt, lebe stolz, allezeit! Gebe vor, gebe nach, glaub an dich! Blick voraus, blick zurück! Ich denk an dich.“

 

 

Neben dem bereits erwähnten ‘Mantra‘, überzeugt Daniel in ‘Viel Glück‘, dass ruhig, aber nicht minder leise, auch geil sein kann. In der Geschichte zu ‘Viel Glück‘ sehe ich vor meinen Augen einen sterbenden Menschen, der zum Einen traurig zu sein scheint, weil er seine Liebsten nie wieder sehen wird, zum Anderen aber den Willen hat, ihnen letzte Worte mit auf den Weg zu geben.

Hier wird der Tod und der Verlust geliebter Menschen so ausdrucksvoll besungen, dass sich meine Haare an den Armen, ein weiteres Mal, dezent nach oben richten.

 

 

“Es ist Freitag Abend. Das wahre Leben lockt. Nen Bündel Euro auf Tasche, nen haufen Bullshit im Kopf. Wolln doch mal sehn wie gut die Nacht es mit mir meint.“

 

 

Doch genug der Melancholie. Fielen da nicht vorhin schon irgendwo die Worte Freitag Abend? Dann kommt jetzt der passende Song dazu. Es wird wieder laut und ‘Freitag Abend‘ bietet genau den Sound zu diesem. Ein Einheizer der feinsten Art. Mehr kann man dazu nicht sagen.

 

 

“Nächste Station. Kein Bild, kein Ton. Nur Rauschen auf den Ohren, der Rest ging wohl verloren. Ja du hast recht. Ich bin wirklich ein böses Kind. Ich muss mich bessern. Unbedingt.“

 

 

Ich weiß es nicht‘ knüpft thematisch, als auch in der Stimmung, an ‘Freitag Abend‘ an. Der Song macht viel Spaß und wird live mit Sicherheit zum allgemeinen Pogo tanzen einladen. Wirtz besingt, auf ironischer Art und Weise, die durchzechte Nacht mit einem guten Freund, das Verpassen des rechtzeitigen Absprungs und die Konsequenzen, mit der Liebsten zu Hause. Hat von uns Männern wahrscheinlich schon jeder mal durchgemacht 😉

 

 

“Wenn du willst, fang ich ab morgen mit Yoga an, verkauf das Auto, fahr Straßenbahn. Nein, im Ernst. Wenn du willst, sing ich am Sonntag im Kirchenchor und freu mich über ein Bayerntor.“

 

 

Aber was wären wir ohne unsere bessere Hälfte? Wie sang schon einst Udo Jürgens?

“Ohne Frauen keine Sonne, keine Träume in der Nacht. Ohne Frauen keine Lieder. Nichts, was Lust auf Leben macht.“

Damit hatte er (leider) verdammt recht und ich denke auch Daniel Wirtz scheint das so zu sehen. Denn mit ‘Wenn du willst‘ haut er einen Liebes-Rocksong raus, der sich gewaschen hat. Lyrisch gewirzt (Sorry, der Wortwitz musste sein) mit lustigen Vergleichen eines bekloppten, frisch verliebten.

 

 

“Hab das Gefühl, dass irgendwo in mir ne Lücke klafft. Als hätte etwas, dass zu mir gehört, es nicht bis zu mir geschafft. Wie ne wohl bekannte Melodie, aus nem Lied das ich nicht kenn. Tief begrabene Erinnerung, die auf meiner Seele brennt.“

 

 

In Richtung Ende, schlägt Daniel noch einmal ruhigere Töne an und lässt das Album somit langsam ausklingen. ‘Sehnsucht‘ verstehe ich als Ode an halt genau diese Sehnsucht. Das kann ein Mensch sein den man nicht kennt, man aber weiß, dass es ihn gibt. Genauso kann es auch die Sehnsucht nach der Ferne sein, dem Fremden. Die Sehnsucht nach irgendetwas, dass fehlt.

 

 

“Auf neue Schuld, auf neue Sühne. Auf neue Himmel und neue Höllen. Auf neue Wunder, neue Liebe, neuen Trost und neue wunde Stellen. Auf neue Wahrheit, neue Lügen. Auf neue Ernte, neue Saat. Auf neue Schlachten, neue Siege, neuen Anfang. Tag für Tag.“

 

 

Mit dem Song ‘Das nächste Mal‘, beendet Daniel Wirtz dieses Album und bietet uns hier einen letzten “Kopfhoch-Song“. Hierbei kommt es inhaltlich zu eindeutigen Anspielungen an sich und das bisherige Band-Dasein mit seinen Jungs Fifa (Drums), Christian (Bass) und Kai (Gitarre).

Ein perfektes, ruhiges Ende für ein perfektes Knaller-Album.

 

 

Fazit:

Die Reise Wirtz geht weiter und mit diesem Album definitiv einen weiteren Schritt nach oben.

Da ich mit ‘Akustik Voodoo‘ meine Probleme hatte, bin ich froh jetzt wieder den “alten“ Wirtz-Sound hören zu dürfen, mit den gewohnt großartigen Lyrics. In der Presseinfo zum Album ist „Auf die Plätze, fertig, los“ so zusammen gefasst:

“Der Mensch zwischen Ohnmacht und “Arsch hoch“, zwischen Hart und Zart, Zorn und Liebe, Melancholie und Exstase.“

Ich finde, das bringt es im Allgemeinen ziemlich gut auf den Punkt.

‚Auf die Plätze, fertig, los‘ landet definitiv in meinen Album-Top-10 des Jahres. Dieses Album wurde von mir lang ersehnt und ich wurde in keinem Punkt enttäuscht. Es hat alles was ein Wirtz-Album braucht. Danke Daniel!

 

P.S.:

Herr Wirtz ist auch momentan bei VOX, in der Sendung ‚Sing meine Song‚ zugegen und zerrockt die Songs seiner Mitstreiter. Diese kann man gut finden, muss man aber nicht. Die Wirtz-Parts sind aber definitiv sehens- und hörenswert. Wer sich also mal einen kleinen Vorgeschmack holen möchte, kann da gern mal rein schaun oder sich vielleicht auch einfach mal durch Youtube klicken.

 

 

 

Auf die Platze, fertig, los erscheint am 19.06.2015 und ist hier vorbestellbar:

Amazon: Auf die Plätze, Fertig, Los
iTunes: http://www.wirtzmusik.de/adpfl_itunes… (inklusive Gratis-Vorab-Download „Auf die Plätze, fertig, los“)
MediaMarkt: http://www.wirtzmusik.de/adpfl_mm_nl1905
Saturn: http://www.wirtzmusik.de/adpfl_sat_nl…
EMP: http://www.wirtzmusik.de/adpfl_emp_nl…

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