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REVIEW — COR – Leitkultur

COR veröffentlichen im Oktober ihr neues Album ‚Leitkultur‚. Sollte oder muss man über diese Band ein Wort verlieren? Eigentlich nicht, aber ich mache es trotzdem.

COR machen nämlich da weiter wo sie mit den letzten Alben aufgehört haben. Musikalisch, experimentierfreudig wie eh und je. Textlich, der gewohnte Appell zum Hinterfragen und Nachdenken.

Aber ein Punkt sticht besonders in das Ohr. Friedemanns Gesang ist so deutlich und klar wie noch nie, was eventuell etwas irritierend wirken kann. Beim Opener „Gras“ stellte sich mir die Frage, ob ich jetzt COR höre oder ob es sich um Friedemanns Solo-Projekt handelt. Das kann aber an dem einfachen Punkt liegen, dass bei COR und Friedemann im Grundsatz dieselben Leute mitwirken.

Spätestens bei den Liedern „Gift“ und „Das Schöne Leben“, kommt die Sicherheit zurück, dass man COR aufgelegt hat. Harte Gitarren mit wütendem Gesang. „Gift“ beschreibt textlich, wie uns die Industrie mit bunten Bildchen zum Konsum ihrer, naja nennen wir es mal Nahrung, anregt. Eigentlich sollte man es nicht einmal Nahrung nennen. Mit den Inhaltsstoffen könnte man glatt Sprengstoff bauen. Aber hey, solange auf der Wurstpackung eine lachende Familie abgebildet ist, kann es ja nicht schlecht sein. „Das schöne Leben“ zeigt auf, was wir für das Wirtschaftswachstum aufgeben. Anstatt Zeit mit unseren Lieben zu verbringen, verbringen wir Ewigkeiten in Büros und Betrieben. Anstatt das Leben zu genießen machen wir uns selbst kaputt.

Ein wirklich starker Song ist „Leitkultur“ geworden. Bestimmte Politiker und andere Personen unserer Gesellschaft, fordern eine Festlegung der deutschen Leitkultur. Bloß, was macht diese aus? Deutsch oder Mensch sein? COR zeigen in ihrem Song die momentane Leitkultur im unserem Land auf. In den letzten Jahren rotten sich immer mehr Menschen zusammen um irgendeinem Pavian beim Hetzen zuzuhören. Während der Oberpavian miese Hetze und Lügen von sich gibt, springen die andern Paviane wütend und aufgebracht im Kreis, schwenken Fähnchen, rasseln mit den säbeln und wünschen anderen den Tod. Ok, Menschen mit Pavianen zu vergleichen ist zwar kein feiner Zug von mir, aber wenn Menschen das Verhalten von Primaten annehmen, dann fällt mir kein anderer Vergleich dazu ein. Zudem Affen ja auch gerne Kot werfen, wenn sie sich bedroht fühlen. Im gleichen Atemzug stellt sich mir aber auch die Frage, ob der Pavian auch den Wohnsitz des andern Pavians anzünden würde.

Richtig gut umgesetzt ist zu dem der Song „Sauber“. Es ist ein Gefühl, das wohl jeder kennt. Man kommt nach Hause und möchte sich einfach nur noch häuten, sich den Dreck der oberflächlichen Gesellschaft von der Haut kratzen und sich übergeben, weil der Tag wieder nur aus Ja und Amen bestand und man wieder nicht der sein konnte, der man eigentlich ist.

Was mir bei COR immer wieder gut gefällt, sind die leicht melancholisch angehauchten Songs. Lieder, die von Sehnsucht, Ferne und Erinnerungen handeln, wie z.B. in „Segeln“, „Einsam“ oder auch „Vermisst“. Die Werbeindustrie würde die Songs mit dem Prädikat Gefühlsecht beschreiben und genau dort reiht sich auch der Song „Getötet“ ein.

Wolle man das Album zusammenfassend beschreiben, so liefern COR in einem ihrer neuen Songs eine perfekte Beschreibung:

„Vollkontakt, pur und nackt. Vollkontakt und ins Gesicht. Vollkontakt, ich und mein Wort. Ein Versteck, das brauch ich nicht.“

COR - Leitkultur

COR unterwegs:

Die Leitkultour zur Leitkultur.

06.10.17 Berlin, SO36

07.10.17 Rostock, PWH

13.10.17 Kiel, Schaubude

14.10.17 Brandenburg, Oktoberrevolution (Haus der Offiziere)

19 10.17 München, Rumours

20.10.17 Davos, Box

21.10.17 Innsbruck, PMK

03.11.17 Dresden, Beatpool

04.11.17 Leipzig, UT Connewitz

09.11.17 Essen, Don’t Panic

10.11.17 Wiesbaden, Kreativfabrik

11.11.17 Quedlinburg, KuZ Reichestraße

17.11.17 Hamburg, Logo

18.11.17 Hannover, Bei Chez Heinz

25.12.17 Stralsund, Eisengießerei

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